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::: 10. November 2006

 New York Times zum Zune  

Zwei Titanen der US-Technikszene haben sich Microsofts Zune, der ab kommenden Dienstag in den USA zu haben ist, vorgeknöpft: David Pogue in der New York Times und Walt Mossberg für das Wall Street Journal. Mosberg werden wir später zu Wort kommen lassen, Pogue darf den Anfang machen. Er schreibt in der der New York Times:

image»Microsoft ist wahrscheinlich die grünste unter allen High Tech-Companys. Grün nicht im Umwelt-Sinn - grün vor Neid.« Zune sei eine unverfrorene Kopie des iPod, aber noch erstaunlicher sei es, dass dies nun schon der zweite Versuch Microsofts ist, den iPod zu »killen« - der erste war PlaysForSure, eine gigantische mehrjährige Operation mit Dutzenden von Herstellern und Online-Stores. Die Belohnung von Microsoft für alle PlaysForSure-Kunden: ein fettes »So long, suckas!«.

Der Zune selbst, schreibt Pogue, ist famos: er ist nicht so cool wie der iPod, aber praktischer. Niemand wird den Kopf nach ihm wenden, aber er wird auch nicht verkratzen. Er klingt genauso gut wie der iPod, hat eine ähnliche Batterielaufzeit, einen etwas größeren Screen, ist aber dicker und schwerer. Der Screen ist höher als breit, was sich gut für die Menüs eignet, weniger gut aber für Bilder und Filme (man muss ihn um 90 Grad drehen). Dem eingebauten Radio bescheinigt Pogue einen schwachen Empfang.

Das »große Ding« des Zune aber ist der drahtlose »Sozialempfang« »Welcome to the social«), der alle Zunes im Umkreis von rund 10 Metern anzeigt. Einen Song kann man in 15 Sekunden an einen zweiten Zune übertragen, ein Foto in 2 Sekunden, ein Video überhaupt nicht. Alles unter der Voraussetzung, dass man einen zweiten Zune überhaupt findet - Microsoft wird Unmengen davon verkaufen müssen, damit die User dieses Feature tatsächlich nutzen können. 

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Der drakonische Kopierschutz für sozial gebeamte Musik - nicht für Fotos - beschränkt das Abspielen auf drei Mal innerhalb von drei Tagen. Danach verschwindet der Song und hinterlässt auf dem dazugehörigen PC lediglich einen hilfreichen Text, mit dem man das Musikstück im Zune Store kaufen kann. Der Schutz ist so »streng wie ein Schulmeister aus dem 19. Jahrhundert«, schreibt Pogue: nach Abspielen des halben Songs oder nach einer Minute ist eine der drei Möglichkeiten bereits verschossen. Man kann einen Song nicht zweimal an denselben Freund senden, und erst recht nicht an einen dritten.

»Völlig irre« ist die Anwendung der schulmeisterlichen Strenge auf jede Art von Musik: selbst Eigenkompositionen oder freie Musik werden mit dem Kopierbann belegt. Microsoft wirbt für dieses »Feature« auch noch mit dem Vorschlag, dass Rockmusiker ihre Demostücke mit Hilfe des Zune verteilen sollen. Was Microsoft nicht sagt, ist, dass Rockmusiker mit diesem Feature nach drei Tagen wie Idioten vor ihren Fans stehen werden.

Was ist eigentlich der Sinn des Zunes, fragt sich Pogue. Das erste Modell hat weniger Funktionen als der iPod, ist aber größer und schwerer. Falls sich das drahtlose Versenden von Songs als etwas herausstellt, was das Publikum wirklich will, kann Apple den iPod jederzeit erweitern. Der Zune folgt dem üblichen Microsoft-Schema: Version 1.0 ist geklaut und hat wenige Funktionen, danach folgen jahrelange, »langsame aber unerbittliche« Verbesserungen.  »Es wird noch eine Weile dauern, bevor Braun wirklich das neue Weiss ist«, so David Pogue.

Oder wie iPodFun, von denen ich diesen Hinweis habe, schreibt: »Bis dahin kann der iPod vermutlich fliegen.«

10.11.06 - 13:30 Uhr von majo (Mac Essentials) | Permalink | Rubrik Nachrichten  | 10 Kommentar(e), 451x besichtigt | IRC-Chat | E-Mail an die Redaktion |
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